"FARBENFROHE PERSÖNLICHKEITEN"

Wer die Malerin Maria Gilges kennt, die in ihren Bildern menschliche und familiäre Abgründe auslotet, wird vielleicht überrascht sein von dem so ganz anderen "Klang" ihrer Objekte aus Filz, die die Künstlerin selber als "Farbenfrohe Persönlichkeiten" bezeichnet.

In Auseinandersetzung mit dem Werkstoff Filz entstehen diese skurrilen Figuren in einem langen und intuitiven Prozess in einer Art "Voodoo-Meditation". Spitze, mit Widerhaken versehene Filznadeln werden immer wieder aufs neue in die entstehenden Formen und Gebilde aus Wolle hineingestoßen.

Die puppenartigen Filzskulpturen strahlen mit ihrer intensiv leuchtenden Farbigkeit und ihren großen, aufmerksamen Augen eine unglaubliche Vitalität und positive Kraft aus, die in einem bemerkenswerten Gegensatz steht zu den bedrohlichen und gespenstischen Figuren, die die Malerei von Maria Gilges bevölkern. Einigen dieser Filzfiguren wachsen vor lauter schriller Lebendigkeit Pilze aus dem Kopf, andere besitzen feuerrot lodernde Haare oder eigenwillige Kopfbedeckungen.
Da gibt es den "grünen Franzosen", den "Nackten Engel", „Das lange Mädchen" und "Lappes – Den Mann für alle Fälle". Und es gibt auch "Die Päpste" – der neue Papst umarmt den alten, und beide sind sie bunter als der Vatikan erlaubt. Und dazwischen tummeln sich nie gesehene quietschvergnügte Tierwesen, die so seltsame Namen tragen wie "Eumel", "Schnapper" oder "Bäuchling".




 

 

 



Sie alle scheinen erfüllt von einer schrägen, dabei angenehmen Musikalität. Viele lächeln, andere wirken nachdenklich oder melancholisch, aber immer sind sie uns offen zugewandt, anwesend in der Gegenwart, im Hier und Jetzt. Und in ihrer Gesamtheit sehen sie aus wie eine große, aufgekratzte, schon leicht angeschickerte Jazzkapelle an einer Straßenecke, die krachend laut das Stück "On The Sunny Side Of The Street" zum Besten gibt.

Und von dieser Sonnenseite werden sie sich von nichts und niemandem jemals wieder vertreiben lassen – da bin ich mir ganz sicher!

© Bertram Rutz, Düsseldorf